Sonntag, 11. April 2010

Hypocrisy - A Taste Of Extreme Divinity (2009)


Peters Rückkehr!

Endlich!! Nach 4 Jahren völliger Absenz, meldet sich ein Urgestein des schwedischen Death Metals zurück!! Sympathieträger Peter Tägtgren, der sich in den letzten Jahren eher auf sein jodelndes Indudstrial Pop Projekt PAIN oder auf das produzieren von grantigen Metal Alben konzentriert hat, spendiert uns nun endlich sein sage und schreibe elftes (11tes !!!) Studioalbum! Mit im Gepäck befindet sich, wie immer, Peters ständiger Weggefährte Mikael Hedlund am Tieftöner. Horgh, der ja durch die kernigen Norweger IMMORTAL allseits bekannt und beliebt ist, sitzt zum Glück immer noch an den Drums. Als er 2004 seit Debüt bei HYPOCRISY feierte, merkte man dies eindeutig durch das wesentlich interessantere Schlagzeugspiel.


Wer sich ein wenig mit der Band beschäftigt hat, der weiss, das kein Album dem anderen gleicht. Da wären ersteinmal die oldschool Deathmetal Scheiben der Anfangstage ab 1992. Danach folgten ein paar Ausflüge in den waschechten schwedischen Melodic Death Metal. Nicht so ein modernes clean Geplärre, nein nein sondern ein Melodic Death, wie er Mitte der 90ger gespielt wurde. Anschliessend wurde sich in Experimente verirrt oder ein neuer Sound ausprobiert, wie etwa auf dem Album „Into The Abyss“ (2000). Erst 2005 beglückte uns Peter mit dem Album „Virus“, welches einen äußerst aggresiven Querschnitt des bisherigen Bandschaffens darstellte. Diese Band hat bereits soviele verschiedene Sounds und Einflüsse auf den Alben ausprobiert, dass war es für mich umso spannender, was mich nun auf dem neuesten Werk „A Taste Of Extreme Divinity“ erwartet.

Schon beim Opener fällt auf: Holla, das ist echt flott für HYPOCRISY! „Valley Of The Damned“ beginnt sehr treibend und Peter röhrt durchweg mit seinen allseits beliebten Growls durch den Song. Es ufert in einem sehr melodischen und typischen Hypo Refrain. Nur in einem sehr bangbaren Bridge Part, wird der Fuß vom Gas genommen. Nach dem schnellen Einstieg dringt auch schon die erste Singleauskopplung an mein Ohr. Via Myspace konnte man die Hymne „Hang Him High“ schon vorab hören und schon dort wusste sie zu gefallen. Größtenteils im Mid Tempo Bereich angesiedelt, handelt es sich um einen sehr typischen HYPOCRISY Song. Eingängiger Mitgröhl-Refrain, walzender Verse und sphärischer Mittelteil. Peter zeigt uns ein paar mehr Facetten seines Organs, aber Gott sei Dank werden wir mit clean Gesang verschont.

Es bleibt bei mittigem Tempo! „Solar Empire“ ist ein ähnliches Kaliber wie „Hang Him High“. Diesselben Zutaten, garniert mit weniger aggresiven Riffs und statt dominierenden Growls Peters Schreigesang. Nun Song 4 mit dem Namen „Weed Out The Weak“! Oha der Song beginnt gleich mit einem Blastbeat?! HYPOCRISY und Blastbeats? Ja Horgh macht es möglich! Astreines Geballer, mit einem sehr schwedisch angehauchten Verse sowie einem melodisch epischen Chorus. Wenn der etwas bremsende Solo Part nicht wäre, ein noch größerer Knaller, aber dennoch bleibt dieses Liedlichen eines der frühen Highlights der Platte! Etwas gemäßigter geht es in den beiden folgenden Songs zu. Walzende und groovyge Riffs wechseln sich mit melodischen Ergüssen ab.

Im Gegensatz zu diesen, stellt der Beinahe-Titeltrack eine ordentliche Überraschung dar. Beginnt „Taste The Extreme Divinity“ schon recht düster aber gediegen, gipfelt es nach knapp 40 Sekunden in den brachialsten und aggresivsten Song des Albums. Seit Jahrzehnten hat man HYPOCRISY nicht mehr so, verhältsnimäßig unmelodisch, rumknüppeln hören. Anschliessend wird es mit „Alive“ wieder ruhiger und äußerst groovyg. Große Überraschungen bleiben aus und es folgt die reichlich schleppende und fast schon kitschige Hymne „The Quest“. Erinnerte mich an das Selbstbetitelte Album von 1999. Für mich jedoch ein unnötiger Ausflug in alte Tage. Track 10 alias „Tamed (Filled With Fear)“ drückt zum Glück wieder ein wenig mehr auf die Tube. Der Höhepunkt ist hier eindeutig der einprägsame Chorus. Vereinzelt wird ein wenig clean Gesang verwendet, wenn man diesen denn so nennen möchte.


Zum Schluss der Platte, wird nochmal ein wenig mehr Gas gegeben. „Sky Is Falling Down“ ist ein wunderbarer Abschluss, in dem sich Onkel Tägtgren nochmal so richtig am Mikro austobt. Der unnötige Bonustrack plätschert dagegen nur so vor sich hin und bleibt bei aller Liebe nicht im geringsten in den Hörgängen verankert.

Nach stolzen 50 Minuten Spielzeit ist der Spaß vorbei. Nun was bleibt für ein Eindruck zurück? Im Grunde ein recht positiver. Die Band war niemals für besonders schnelle Songs bekannt, meist bestachen eher die hymnischen und schleppenden Lieder. Umso erfreulicher, dass der Weg, den das Vorgängeralbum geebnet hat, konsiquent weitergeführt wird. Sprich es ist, ebenso wie „Virus“, ein astreiner Querschnitt des Bandschaffens. Treibende Songs mit teils aggressiven Ausbrüchen, reichen sich mit Mid Tempo Hymnen die Hand. Im Grunde das alte Lied? Jein! Das geradlinige und eingängige Songwriting schliesst jedoch große Experimente aus. Dennoch schafft es Peter, durch viele kleine Variationen, sowie interessanten Ideen, die Songs spannend zu gestalten.

Auch sein Gesang kommt sehr gut zur Geltung. Seien es nun seine durchaus verständlichen aber bitterbösen Growls, die wir von Peter in der Qualität schon bei den All-Star Schweden BLOODBATH bewundern durften, oder seine markanten Schreie. Peter schafft sie einfach alle! Eine große Frage, die sich mir stellte: Auha, wie sieht denn das mit clean Gesang aus? Die Band hat ja bekanntlich noch nie Heul-Refrains ihr Eigen genannt, aber dennoch haben sich in den letzten Jahren immer ein paar, an PAIN erinnernde, clean Parts eingeschlichen. Diese sind auf dem Album nur sehr selten vertreten. Sie stören nicht und passend durchaus in die jeweiligen Parts. Da bin ich nun nicht so der Fan von, aber was soll man machen. Groß stören tun diese Laute zum Glück auch nicht.

Horghs Drumming ist im Gegensatz zum Vorgängeralbum dezenter, aber zum Glück meilenweit davon entfernt, so uninspiriert und langweilig zu sein, wie das Gehämmer, welches auf den Platten zwischen 1992 und 2004 zu hören war. Da saß nämlich noch ein gewisser Lars Szoke hinter der Schiessbude und dieser Bursche hat mir wirklich eine Vielzahl von Hypo Songs vermiest.

Ein weiteres mal ist auch dieses Werk der Band in Peter Tägtgrens Abyss Studio enstanden. Der Sound seiner Schmiede ist bekanntlich Geschmackssache. Ich für meinen Teil halte ihn für gelungen und äußerst passend für die Songs. Wie man es von Peterle kennt, handelt es sich um einen klinischen, klaren und wenig aggresiven Sound. Das Artwork zeigt nach Jahren endlich mal kein Photo Shop Alien Alarm, sondern greift tief in die Klischee Kiste und spendiert uns eine Kapuze, die Menschen auf einem Altar opfert auau. Nicht innovativ, aber passend und allemal schicker, als die Alien Geschichten. Wo sind nur all die schick gezeichneten oldschool Death Metal Cover hin.


Eingesessenen Death Metal Fans waren die Alben nach „The Fourth Dimension“ (1994) bestimmt sowieso schon zu melodisch, darum werden Jungs und Mädels mit solchen Hörgewohnheiten auch bei dieser Veröffentlichung mit Sicherheit nicht glücklich. Wer jedoch auch der melodischeren Variante des Schwedentods nicht abgeneigt ist, dem sei auch diese Veröffentlichtung von HYPOCRISY wärmtens ans Herz gelegt.

Fazit: Eine weitere solide Veröffentlichung, die vergangene Stärken der Band vereint, jedoch auch Wehrmutstropfen in Form von Fillern enthält. Dennoch Daumen hoch und 8 von 10 kleine Pederles!

Anspieltipps: Valley Of The Damned, Hang Him High, Weed Out The Weak, Sky Is Falling Down

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