Mittwoch, 14. April 2010

Finntroll - Nifelvind (2010)


Troll Malheure


Gründete sich die Band noch als Sauflaune zwei besoffener Finnen, so mauserte sich FINNTROLL den letzten Jahren zu einer ernstzunehmenden und erfolgreichen Band. Wie auch sonst, als völlig breit in Wäldern rumtorkelnd, kommt jemand auf die Idee, rohen Metal mit Humppa zu vermischen? Für die nichtwissenden Ketzer unter uns: Unter Humppa versteht man eine gemeine Abart der finnischen Polka. Der damalige Sänger Katla und Saitenschwinger Somnium (r.i.p.) hielten es jedenfalls für eine Prima Idee, ihre musikalischen Ergüsse unter den Banner FINNTROLL an den geneigten Hörer zu bringen. Wieso auch nicht? Zählt die Band doch heute zu der Speerspitze des Folk Metal!


Inzwischen wurde das Besetzungskarussell mächtig gedreht! Sänger Katla musste den Sängerjob, aufgrund gesundheitlichen Einschränkungen, an den Nagel hängen. Ersetzt wurde er von Pummelchen Wilksa, der diesen Status jedoch nur ein Album lang inne hatte. Nach der Arbeit an dem Album „Nattfödd“ (2004), wurde es sich seiner entledigt und so kam Vreth in die Band. Sein Debüt feierte er auf dem 2007er Werk „Ur Jordens Djup“.

Ihren Stil haben FINNTROLL in den Jahren verfeinert und weiterenwickelt. Natürlich klingen ihre Songs inzwischen besser produziert und pompöser, aber ihre Wurzeln sind noch gut zu hören. Bestach das vorige Album „Ur Jordens Djup“ durch einen düsteren Grundton, so kommt nun der neueste Streich „Nifelvind“ mit mehr Einfallsreichtum und Experimenten daher.

Klassisch im Troll Universum, beginnt das Album mit einem Instrumental Intro. Schicksalsschwanger jodeln Trolle zu rhytmischen Trommeln, bis sie durch monumentale Orchester Klänge übertönt werden. Eine kleine Schlachtmusik eben. Unsere kernigen Gesellen machen sie warscheinlich gerade bereit, eine Gruppe von kampierenden Christen aufzumischen. „Solslagan“ fährt nun anschliessend den Dampfhammer aus und startet mit sängenden Gitarren und Blastbeats. Reichlich aggresiver Einstieg, der von Vreths Gekeife wunderbar untermalt wird. Nach ein paar Minuten erklingen jedoch die allseits bekannten Humppa Rhytmen und der Ohrwurmverdächtige Refrain, macht die erste Single von „Nifelvind“ zu einem sehr starken und einprägsamen Song. Merkwürdige Instrumente vernimmt man anschliessend bei „Den Frusna Munnen“, doch nach dem Intro mutiert dieser Track zu einem typischen, eher mid Tempo lastigen, FINNTROLL Liedchen. In ähnliches Fahrwasser entführen uns die beiden folgenden Songs.


„I Trädens Sång“ zeigt erneut die treibendere Seite der Scheibe und fährt auch mal pregnante Double Bassdrum Geschütze auf. Episch und wahrhaft trollisch präsentiert sich „Tiden Utan Tid“! Er beginnt mit singenden Chören und steigert sich anschliessend, bis aus dem unheilverkündenen Anfangsklängen eine wahre Schlachthymne wird. Mit „Galgasång“ folgt im Anschluss eine akkustische Ruhepause. Es handelt sich um einen waschechten Folk Song, der mit tradiotionellen Instrumenten eingespielt wurde. Dazu keift Vreth mal nicht in gewohnter Manier, sondern trillert brav schwedischen Folk Gesang durch die Boxen. Ich fand ihr Akkustikalbum „Visor Om Slutet“ (2003) schon gelungen und so kann ich mich auch mit dem ruhigen Zwischenspiel anfreunden.

Wie man es erwartet, werden im nächsten Stück wieder aggressivere Seiten aufgezogen und so wendet sich „Mot Skuggornas Värld“, inklusive tösenden Schlaftrufen und Trollchören, wieder dem Metal zu. Für gute Laune sorgt der Rausschmeisser „Under Bergets Rot“, der mein Highlight des Albums darstellt und sicher auch lange im Liveset der Band rumspuken wird. Dies vollkommen zurecht. Treibend mit einer, fast schon fröhlich anmutenden, Melodie im Gepäck, besticht der Song durch einen eingängigen Mitgröhl-Refrain. Packt man dann im Mittelteil noch creepy Addams Family Töne hinzu, ist die Troll Hymne perfekt. „Fornfamnad“ bäumt sich, entgegen des Keyboardlastigen Intros, wesentlich epischer auf und bietet wiederrum jedem streitsuchenden Troll, den nötigen Marschrythmus. „Dråp“ stellt nun den letzten Song dar und fährt nochmal alle Geschütze auf. Unspektakulär beginnt das sieben Minuten Ende und entwickelt sich mit zunehmenden Tempo in einen würdigen Schluss.

„Nifelvind“ hinterlässt einen durch und durch positiven Eindruck! FINNTROLL verbinden wunderbar die Stärken ihrer bereits veröffentlichten Alben und schafften so ein sehr reifes und abwechslungsreiches Werk. Eine Neuerfindung bleibt aus, aber dies wünscht sich sowieso kein Fan. Tja und Ich mir auch nicht.

Die Produktion ist sehr druckvoll sowie klar und kommt den Kompositionen zu Gute. Grummelte die Vorgänger Scheibe sehr roh und basslastig drauflos, steht der neue Sound FINNTROLL gehörig besser zu Gesicht.

Das optische Auftreten der Band, wurde ebenfalls auffällig geändert. Zumindest auf den Promo Fotos. Keine abgewrackten Zottel Trolle, die muffige Felle ihr eigen nennen, sondern eine Art „Spielmannszug der Trolle“ mit angeklebten Ohren, schicken Westen und lustigen Hüten. Recht coole Idee, aber live wohl ein wenig zu aufwendig oder nervig für die Finnen, denn auf Bühnen präsentiert sich die Kapelle noch wie gehabt. Das Artwork zeigt sich sehr düster, jedoch passend, wie die Faust aufs Auge.

Die alten Zottel Felle:


Ganz großes Kino: Bei der Limited Edition ist neben einer Poster Flagge eine sogenannte Biermatte mit dem Cover Artwork enthalten. Keine Ahnung wofür man eine Biermatte benötigt, aber ich find sie toll. Mit so einem Quatsch kriegt man mich doch immer!

Fazit: Starkes Album. Inhaltlich wohl ihr komplexestes Album mit vielen Ideen und reichlich komisch klingenden Instrumenten. 8 von 10 trollische Kriegäxte, die nur darauf warten, schwaches christliches Blut zu vergiessen (wahnwitzige Hommage an den Song „Trollhammaren“)

Anspieltipps: Under Bergets Rot, Solsagan, Tiden Utan Tid

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