Donnerstag, 9. Dezember 2010

Neaera – Forging The Eclipse (2010)

Der fünfte Streich! Fleißig fleißig ...

Es ist nun schon 5 Jahren her, als ich mir ihr Debüt "The Rising Tide of Oblivion" (2005) gekauft und anschließend gefeiert habe. Inzwischen zählen die Burschen aus Nordrhein Westfahlen zu der deutschen Speerspitze des modernen Metal. Kontinuierlich veröffentlichten NEAERA hochwertiges Liedgut und sind nun schon bei ihrem 5ten (!) Langeisen angelangt.

Der eingeschlagene Weg des Vorgängers "Omnicide – Creation Unleashed" (2009) stieß ja, von Seiten der Fans, größtenteils auf wenig Gegenliebe. Wenige eingängige Melodien, ein rauhes Soundgewand, düstere Grundstimmung und sperrige Songstrukturen. Sowas war man von NEAERA zuvor selten gewöhnt. Umso spannender war es, in die neue Veröffentlichung reinzuhören.

Was sich groß verändert hat? Größtenteils orientiert sich "Forging The Eclipse" an den alten Alben. Hehe die bekannte Floskel "Das Album ist ein Querschnitt der bisherigen Werke!" trifft den Nagel ganz gut! Klingt abgedroschen, aber es ist tatsächlich so. Nach wie vor präsentiert uns die Band modernen Melodic Death mit gelegentlichen, wenn auch marginalen, Metalcore Elementen. Die übermäßig fette Produktion von "Armamentarium" (2007), die catchy Melodien von "The Rising Tide of Oblivion" (2005) und die düstere Atmosphäre von "Omnicide" (2009) ... es ist tatsächlich alles mit drin.

Es brauchte doch ein wenig, bis was hängen blieb, doch inzwischen hör ich die Platte immer lieber. Breakdowns und klarer Gesang sind zum Glück auch dieses mal nicht mit an Bord. Das Tempo und die Art der Riffs könnten jedoch unter den Songs mehr variieren, denn so erlebt man gegen Mitte der Platte das eine oder andere Mal ein Déjà-vu. Es wird auf Nummer sicher gegangen und Songs nach bekanntem Rezept rausgehauen. Leider haben sich auch ein paar Filler hineingeschlichen, die schlichtweg an einem vorbei rauschen. Es gibt allerdings auch wieder ein paar Perlen. Meine Highlights sind der Opener "Heaven's Descent", das eingängige "In Defiance", "Exaltation" (in dem eine dt. Zeile vorkommt... witzig) und "Sirens Of Black".

Das Artwork wäre sehr gelungen, wenn die dicke "Eclipse" Schrift nicht wäre. Aber dies zähle ich zur bekannten Geschmackssache. Die Produktion ist wie Anfangs erwähnt, wieder äußerst dick und druckvoll ausgefallen. Unser Däne Tue Madsen ist für den Mix verantwortlich und hat wiedermal ne heftige Soundwand mit Triggersounds geschaffen. Auch dies ist nicht jedermanns Geschmack, doch ich finde es passt schlichtweg zu NEAERA.

Fazit: Insgesamt eine ordentliche Platte, die die Fans sicher zufrieden stellen wird. Auf der nächsten Platte sollte sich die Band aber mal ein wenig entwickeln und neue Einflüsse in die Songs packen, sonst nutzt das Rezept irgendwann ab. Wie wir alles wissen ist Stillstand Tod.

So immerhin

7,5/10

sympathische Münsteraner!

Donnerstag, 18. November 2010

The Crown - Doomsday King (2010)

Triumphales Comeback?

6 Jahre nach der Auflösung sind die Schweden tatsächlich wieder unter dem Banner THE CROWN unterwegs. Die Aussagen der Bandmitglieder, direkt nach ihrer Trennung, klangen nicht gerade so, als wäre mit Ihnen in den nächsten Jahren zu rechnen. Umso mehr erfreut es den geneigten Death Metal Fan, dass sie tatsächlich zurück sind.

Ursänger Johan Lindstrand ist allerdings nicht mit an Bord und so hören wir das zweite Mal in der Bandgeschichte eine THE CROWN Platte ohne ihn. Dies fällt meine Erachtens aber nicht weiter ins Gewicht, denn der neue am Mikro, Jonas Stålhammar, macht seinen Job sehr gut und ähnelt dem guten Johan stark. Der Bursche ist in diesem Genre auch nicht gänzlich neu, denn er grunzte bereits Anfang der 90ger bei den oldschool Schweden GOD MACABRE.

Wurde nun dort weitergemacht, wo mit "Possessed 13" (2003) aufgehört wurde? Ich beantworte die Frage mit einem klaren Nein! "Doomsday King" setzt auf schnörkelloses Death/Thrash Geballer, statt auf Groove und, im Falle von "Crowned In Terror", epische Melodien. Der Rock ’n’ Roll-Anteil voriger Platten schimmert zwar des Öfteren durch, aber dennoch liefert die Band ihr mit Abstand kompromisslosestes Album ab.

"Crowned In Terror" (2002) ist mein Liebling der Truppe, darum vermisse ich diese Art von Refrains schon ein wenig. Nichtsdestotrotz sind die neuen Songs energiegeladen und voll auf die Zwölf. Dem Großteil der Songs fehlt es allderdings an Eingängikeit und vorallem Wiedererkennungswert. Da helfen auch die stimmigen Soli nichts. Der Titeltrack und "Blood OD" bilden die Highlights des Werkes und lassen aufblitzen, dass THE CROWN das Schreiben von aggresiven und dennoch eingängigen Songs nicht verlernt haben. Der Stampfer "The Tempter And The Bible Black " sticht ebenfalls, als einziger Song im Mid Tempo Bereich, heraus. Der Großteil der restlichen Lieder plätschert vor sich hin und lässt mich doch ein wenig entäuscht zurück. Die Produktion ist im übrigen unspektakulär aber zweckmäßig.

Es ist trotzdem schön, mal wieder was von den Schweden zu hören, doch in Anbetracht auf die klasse Alben, die von ihnen in der Vergangenheit veröffentlicht wurden, muss sich "Doomsday King" recht weit hinten anstellen. Ja da ist eine Menge Luft nach oben. Es es bietet jedoch überdurchschnittliche Kost und zeigt vorallem jüngeren Death Metal Bands, wie waschechter Todesblei, ohne Trendverseuchungen, zu klingen hat. Mit dem neuen Sänger haben sie ebenfalls nichts falsch gemacht und ich freue mich schon drauf, ihre Songs live zu hören.

6/10 kleine Stahlhammer!

Mittwoch, 14. Juli 2010

Eluveitie - Everything Remains As It Never Was (2010)

Mehr Folk - Weniger Metal

Die noch recht jungen Burschen und Mädels von ELUVEITIE servieren uns nun ihr viertes Album. Waren die ersten beiden Werke eine frische Mischung aus schwedisch geprägtem Melodic Death Metal und keltischer Folksmusik, so kam das dritte Album „Evocation I“ als rein akkustisch gespieltes Langeisen daher.

Dieser Ausflug ist vorbei und nun besinnt man sich aufs alte Rezept, welches auf „Spirit“ (2006) und „Slania“ (2008) wunderbar gezündet hat. Nuclear Blast macht es möglich. So ist die Band in aller Munde und wurde auf etliche Touren von namenhaften Bands mitgeschickt. Verdient haben sie es, will ich meinen. Ihr musikalisches Gebräu ist einzigartig und spricht sowohl Folk Metal Anhänger, als auch seichtere Death Metal Fans (wie mich), an. Nebenbei bemerkt ist ihre Live Performance wirklich klasse.

Wie die Vorgänger geginnt auch ihr neuester Streich mit einem akkustischen Intro, welches den Opener und Titeltrack einleitet. Nach einem kurzen Schlagzeug Intro beginnen die Schweizer einen flotten Einstieg, der im Grunde ihren Stil wunderbar zusammenfasst. Treibendes Schlagzeugspiel, thrashige Metalriffs und aggresives Geschreie trifft auf Violine und Flöten. Auffällig ist wohl der vermehrte Einsatz des weiblichen clean Gesangs, der sich durch das komplette Album zieht.

Nach dem Ohrwurmverdächtigen Opener folgt die Single „Thousandfold“. Ein sehr melodischer und poppiger Song, der vorallem durch den eingängigen Refrain und den verstärkten Einsatz der Drehleiher besticht. „Nil“ wiederrum kommt als Bandtypischer Song daher, der im Verse auf Götheborger Schule setzt und im Refrain die Flöten bis zum erbrechen erklingen lässt.

In „The Essence Of Ashes“ werden im Mittelteil an den Gitarren ein paar neue Ideen rausgekramt, die in einem hymnenhaften Refrain ufern. Das provisorische Akkustik/Instrumental Stück darf nicht fehlen und so erklingt mit „Isara“ ein ebensolches. Sogar ein verträumtes Meeresrauschen ist zu vernehmen. Es wurde wahrlich an nichts gespart.

Schluss mit der Ruhe, denn mit „Kingdom Come Undone“ brescht des nächste metallastige Liedchen los. „Quoth Of Raven“ ist dagegen die erste wirkliche Mid Tempo Nummer und fällt vorallem durch den Refrain auf, in dem Sängerin Anna eine tragende Rolle spielt. Einen aggresiven Start liefert „Dominion“, der jedoch mit dem Beginn des Gesangs an Fahrt verliert und im Chorus mit mehrstimmigen Gesang überrascht. Kein ELUVEITIE Album ist komplett, wenn nicht noch ein zweites Instrumental Stück das Gesamtbild abrundet. So trällert uns an zehnter Stelle wiedermal die völlige Folk Breitseite entgegen. Da kann Guttural Sänger Chrigel endlich auch mal die Flöte rausholen und loslegen.

Alle bandtypischen Geschütze werden dagegen in „Sempiternal Embers“ aufgefahren. Merkwürdige Instrumente, die es bisher sicher selten auf ein Metalalbum geschafft haben, reichen sich mit Melodic Death Metal typischen Trademarks die Flosse. Genauso weiss die Band zu gefallen. Mir jedenfalls. „Lugd'non“ ist nicht nur der letzte wirkliche Song des Album, sondern auch eher die Schunkel Folk Nummer, die mir aber durch den merkwürdigen Jodelrefrain reichlich auf die Nerven geht. Zum Abschluss wird nochmal der Dudelsack ausgepackt beschert uns ein knapp zwei Minuten Outro.

Im Grunde war von der Bands nichts anderes zu erwarten. Angekündigt war „Everything Remains As It Never Was“ von der Band als waschechtes Metal Album. Das kennen wir von der Band schon, also sollte niemand groß überrascht sein. Die Unterschiede zu den Alben „Spirit“ (2006) und „Slania“ (2008) sind von recht minimaler Natur. Das Songwriting ist nachvollziehbarer (böse Zungen würden dies auch poppiger nennen) und der weibliche Gesang, der auf „Evocation I“ (2009) den kompletten Lead Part übernahm, wurde mehr in die Songs integriert. Wer die anderen Alben kennt, sollte sich diese beiden Faktoren dazu denken und schon hat man seine neue ELUVEITIE.

Natürlich sind die Gitarren Riffs allesamt nicht neu. Wären die exotischen Instrumente nicht mit von der Partie und würden eine trangende Rolle im Songwriting einnehmen, kämen sicher nicht wenige auf die Idee, die Musik als völlig belanglos zu betiteln. Aber die Songs zünden mit der wilden Mixtur und somit sind die besagten Riffs durchaus zweckmäßig.

Ich finde, dass das Zwischenspiel von Folk Melodien und treibender Metal Riffs auf dem Vorgänger „Slania“ (2008) besser zur Geltung kam. Obendrein wirkt der Metal Anteil schlichtweg geringer, da die Gitarren den zahlreichen anderen Instrumenten Platz einräumen mussten und aus diesem Grund mit weniger Druck schreddern. Dies wird sicher beabsichtigt sein, aber für mich, als kein Freund des Folk, ist dies eher ein Wehrmutstropfen. Dies spiegelt auch die Produktion wider. Sie ist zu jedem Zeitpunkt druckvoll und differentziert. Jedes Instrument ist wunderbar zu hören.

ELUVEITIE haben schon seit Jahren ihren eigenen Stil. Nun bleibt abzuwarten, ob die Band in Zukunft ein wenig mehr riskiert, oder das altbewährte Rezept noch weiter ausreizt.

Fazit: Solides Album, dass Spaß macht, aber in Anbetracht der vorigen Werke nicht viel neues bietet. Wer die Band vorher mochte wird entweder ermüden oder sich über neuen Stoff der Schweizer freuen. Neueinsteiger kaufen bitte „Slania“ (2008)! 7 von 10 flötende Kelten!

PS: Die Bonus DVD ist wirklich kernig! Ich peil wirklich nur selten, was die Mitglieder von ELUVEITIE mir sagen wollen. Schweizer Deutsch ist echt ne drollige Sprache ...

Sonntag, 13. Juni 2010

God Dethroned - Passiondale (2009)

Der grantige Holländer

Die Melodic Deather aus den Niederlanden melden sich 2009 mit ihren achten Studioalbum zurück, welches auf den Namen „Passiondale“ hört. Schon fast 2 Jahrzehnte ist Bandkopf Henri Sattler nun schon mit GOD DETHRONED unterwegs und macht alle Jahre wieder mit qualitativ hochwertigen Outputs auf sich aufmerksam.

Mit dem Debüt, welches den wundervollen Titel „The Christhunt“ (1993) trägt, wurde der Grundstein gelegt. Das Potential der Niederländer war, aus ihrem flotten, aggresiven und gelegentlich auch mal melodischen Death Metal, durchaus erkennbar, doch ihre Musik wollte bei mir erst ab dem Album „The Grand Grimoire“ (1997) wirklich zünden. In den folgenden Jahren wurden fleissig Songs geschrieben. Der Melodieanteil wurde kontinuierlich erhöht, doch fand sich immer ein Fuß auf dem Gaspedal wieder. Der Gesang, der auch etlichen Black Metal Kapellen gut zu Gesicht stehen würde, ist wahrlich Geschmackssache. Er verleiht der Band reichlich oldschool Metal Charakter. Nach dem, meiner Meinung nach bisher besten, Album „Ravenous“ (2001) waren immer mehr Ausflüge in gedrosselte Bereiche zu erkennen. Dies gipfelte in dem Album „The Toxic Touch“ (2006), welches durchaus GOD DETHRONED typische Trademarks besitzt, sich jedoch des öfteren in Belanglosigkeit verliert.

Entgegen Teilen des Vorgängers, offenbart „Passiondale“ abermals die Stärken der Band und präsentiert sich um einiges flotter. Im Zeichen eines Konzeptalbums, beschäftigen sich die Texte mit dem ersten Weltkrieg. Schwerpunkt liegt auf dem belgischen Dorf Passchendaele, welches zu dieser Zeit heftig umkämpft war. Wems gefällt ...

Ein Instrumetal Intro mit fiesen Feuergefechten und japanischen (!) Sätzen eröffnet das Album. Merkwürdige Idee und wirklich eingestimmt werd ich dadurch auch nicht, aber nun ja. Das Intro geht direkt in „Under A Darkening Sky“ über. Der Opener war vorab bereits im Netz zu hören und klingt wahrlich äußerst Bandtypisch. Ohne große Umschweife schiesst er los, Henri schreddert und keift aus allen Rohren und ... haach herrlich ... es regiert der Blastbeat. In der Mitte wird die Bremse gezogen und der Refrain offenbart sich als eingängiger Bastard, welcher auch mit dezenten Synthies aufwartet. Genau solche Songs habe ich auf dem Vorgänger vermisst!

„No Man's Land“ scheppert gleich weiter und denkt überhaupt nicht daran, das vorgegebe Tempo lügen zu strafen. Der nächste Song „Poison Fog“ blastet ebenfalls munter drauf los. Im melodischen Chorus wird ein wenig gemäßigter musiziert und anschliessend folgt eine ordentliche Überraschung. Der nächste Part ist äußerst ruhig und obendrein mit sphärischen Klargesang unterlegt. Für diesen Job hat sich die Band einen Landsmann als Gastsänger an Bord geholt. Für meinen Geschmack zieht sich dieser Teil des Songs zu lange hin, doch passt der Gesang in den Song und weiss, gerade durch seinen extravagante Art, zu gefallen.


Als straighter Kickass Song kommt „Drowning In Mud“ daher. Ganz im Gegensatz zu dem folgenden Titeltrack, der den ersten Mid Tempo mimt. Er gewinnt jedoch im Laufe des Songs an Fahrt und besitzt einiges an Ohrwurmcharakter. „No Survivors“ brezelt einem aber wieder ziemlich stumpf und schnell entgegen. Huch und da schleicht sich doch glatt nochmal der, merkwürdig anmutene, Gesang von vorhin in die Gehörgänge. Dieses mal finde ich ihn jedoch wirklich gelungen, auch wenn der True Fraktion wohl eher die Ohren bluten werden. Emotional trifft es wohl schon ganz gut ...

Nach einem schleppenden Anfangspart, geht es treibend, jedoch größtenteils unspektakulär mit „Behind Enemie Lines“ weiter. Es folgt „Fallen Empires“ als groovende Walze, die schon ein wenig an die Schweden AMON AMARTH erinnert. Als Ausklinger wird noch ein schwermütiges Instrumental spendiert und so endet die Reise ins belgische Passchendaele.


Zugegeben, eine große Überraschung ist das Album wohl nicht, wenn man mehr als ein Album der Band kennt. Doch in Anbetracht dessen, dass die letzten Longplayer die Band von einer eher Mid Tempo lastigen Seite gezeigt haben, ist das Gebotene reichlich erfrischend. Das liegt wohl größtenteils an unserem Henri, der mal wieder auf den Putz hauen wollte. Ein weiterer Grund ist bestimmt auch der neue Drummer Roel Sanders. Dieser Bursche saß bereits zu „The Grand Grimoire“ (1997) und „Bloody Blashpemie“ (1999) Zeiten an den Kesseln und sorge für flotte Unterhaltung. Nebenbei angemerkt, scheint Henri nen ziemlich Stinkstiefel zu sein, denn nicht nur Roel Sanders befindet sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Band, sondern auch Gitarristin Susan Gerl hat sich inzwischen verabschiedet.

Fazit: Wieder mal ein grundsolides Album von GOD DETHRONED. Bandhits wie etwa „Villa Vampiria“, „The Warcult“ oder „The Lair Of The White Worm“ hat das Album zwar eher weniger zu bieten, doch dafür hält sich das Songniveau durchgehend hoch. Neueinsteigern würde ich jedoch eher „Ravenous“ (2001) oder „The Lair Of The White Worm“ (2004) in die Hand drücken. 7,5 von 10 Stinkstiefeln!

Anspieltipps: Under A Darkening Sky, Poison Fog, No Survivors, Fallen Empires

Mittwoch, 14. April 2010

Finntroll - Nifelvind (2010)


Troll Malheure


Gründete sich die Band noch als Sauflaune zwei besoffener Finnen, so mauserte sich FINNTROLL den letzten Jahren zu einer ernstzunehmenden und erfolgreichen Band. Wie auch sonst, als völlig breit in Wäldern rumtorkelnd, kommt jemand auf die Idee, rohen Metal mit Humppa zu vermischen? Für die nichtwissenden Ketzer unter uns: Unter Humppa versteht man eine gemeine Abart der finnischen Polka. Der damalige Sänger Katla und Saitenschwinger Somnium (r.i.p.) hielten es jedenfalls für eine Prima Idee, ihre musikalischen Ergüsse unter den Banner FINNTROLL an den geneigten Hörer zu bringen. Wieso auch nicht? Zählt die Band doch heute zu der Speerspitze des Folk Metal!


Inzwischen wurde das Besetzungskarussell mächtig gedreht! Sänger Katla musste den Sängerjob, aufgrund gesundheitlichen Einschränkungen, an den Nagel hängen. Ersetzt wurde er von Pummelchen Wilksa, der diesen Status jedoch nur ein Album lang inne hatte. Nach der Arbeit an dem Album „Nattfödd“ (2004), wurde es sich seiner entledigt und so kam Vreth in die Band. Sein Debüt feierte er auf dem 2007er Werk „Ur Jordens Djup“.

Ihren Stil haben FINNTROLL in den Jahren verfeinert und weiterenwickelt. Natürlich klingen ihre Songs inzwischen besser produziert und pompöser, aber ihre Wurzeln sind noch gut zu hören. Bestach das vorige Album „Ur Jordens Djup“ durch einen düsteren Grundton, so kommt nun der neueste Streich „Nifelvind“ mit mehr Einfallsreichtum und Experimenten daher.

Klassisch im Troll Universum, beginnt das Album mit einem Instrumental Intro. Schicksalsschwanger jodeln Trolle zu rhytmischen Trommeln, bis sie durch monumentale Orchester Klänge übertönt werden. Eine kleine Schlachtmusik eben. Unsere kernigen Gesellen machen sie warscheinlich gerade bereit, eine Gruppe von kampierenden Christen aufzumischen. „Solslagan“ fährt nun anschliessend den Dampfhammer aus und startet mit sängenden Gitarren und Blastbeats. Reichlich aggresiver Einstieg, der von Vreths Gekeife wunderbar untermalt wird. Nach ein paar Minuten erklingen jedoch die allseits bekannten Humppa Rhytmen und der Ohrwurmverdächtige Refrain, macht die erste Single von „Nifelvind“ zu einem sehr starken und einprägsamen Song. Merkwürdige Instrumente vernimmt man anschliessend bei „Den Frusna Munnen“, doch nach dem Intro mutiert dieser Track zu einem typischen, eher mid Tempo lastigen, FINNTROLL Liedchen. In ähnliches Fahrwasser entführen uns die beiden folgenden Songs.


„I Trädens Sång“ zeigt erneut die treibendere Seite der Scheibe und fährt auch mal pregnante Double Bassdrum Geschütze auf. Episch und wahrhaft trollisch präsentiert sich „Tiden Utan Tid“! Er beginnt mit singenden Chören und steigert sich anschliessend, bis aus dem unheilverkündenen Anfangsklängen eine wahre Schlachthymne wird. Mit „Galgasång“ folgt im Anschluss eine akkustische Ruhepause. Es handelt sich um einen waschechten Folk Song, der mit tradiotionellen Instrumenten eingespielt wurde. Dazu keift Vreth mal nicht in gewohnter Manier, sondern trillert brav schwedischen Folk Gesang durch die Boxen. Ich fand ihr Akkustikalbum „Visor Om Slutet“ (2003) schon gelungen und so kann ich mich auch mit dem ruhigen Zwischenspiel anfreunden.

Wie man es erwartet, werden im nächsten Stück wieder aggressivere Seiten aufgezogen und so wendet sich „Mot Skuggornas Värld“, inklusive tösenden Schlaftrufen und Trollchören, wieder dem Metal zu. Für gute Laune sorgt der Rausschmeisser „Under Bergets Rot“, der mein Highlight des Albums darstellt und sicher auch lange im Liveset der Band rumspuken wird. Dies vollkommen zurecht. Treibend mit einer, fast schon fröhlich anmutenden, Melodie im Gepäck, besticht der Song durch einen eingängigen Mitgröhl-Refrain. Packt man dann im Mittelteil noch creepy Addams Family Töne hinzu, ist die Troll Hymne perfekt. „Fornfamnad“ bäumt sich, entgegen des Keyboardlastigen Intros, wesentlich epischer auf und bietet wiederrum jedem streitsuchenden Troll, den nötigen Marschrythmus. „Dråp“ stellt nun den letzten Song dar und fährt nochmal alle Geschütze auf. Unspektakulär beginnt das sieben Minuten Ende und entwickelt sich mit zunehmenden Tempo in einen würdigen Schluss.

„Nifelvind“ hinterlässt einen durch und durch positiven Eindruck! FINNTROLL verbinden wunderbar die Stärken ihrer bereits veröffentlichten Alben und schafften so ein sehr reifes und abwechslungsreiches Werk. Eine Neuerfindung bleibt aus, aber dies wünscht sich sowieso kein Fan. Tja und Ich mir auch nicht.

Die Produktion ist sehr druckvoll sowie klar und kommt den Kompositionen zu Gute. Grummelte die Vorgänger Scheibe sehr roh und basslastig drauflos, steht der neue Sound FINNTROLL gehörig besser zu Gesicht.

Das optische Auftreten der Band, wurde ebenfalls auffällig geändert. Zumindest auf den Promo Fotos. Keine abgewrackten Zottel Trolle, die muffige Felle ihr eigen nennen, sondern eine Art „Spielmannszug der Trolle“ mit angeklebten Ohren, schicken Westen und lustigen Hüten. Recht coole Idee, aber live wohl ein wenig zu aufwendig oder nervig für die Finnen, denn auf Bühnen präsentiert sich die Kapelle noch wie gehabt. Das Artwork zeigt sich sehr düster, jedoch passend, wie die Faust aufs Auge.

Die alten Zottel Felle:


Ganz großes Kino: Bei der Limited Edition ist neben einer Poster Flagge eine sogenannte Biermatte mit dem Cover Artwork enthalten. Keine Ahnung wofür man eine Biermatte benötigt, aber ich find sie toll. Mit so einem Quatsch kriegt man mich doch immer!

Fazit: Starkes Album. Inhaltlich wohl ihr komplexestes Album mit vielen Ideen und reichlich komisch klingenden Instrumenten. 8 von 10 trollische Kriegäxte, die nur darauf warten, schwaches christliches Blut zu vergiessen (wahnwitzige Hommage an den Song „Trollhammaren“)

Anspieltipps: Under Bergets Rot, Solsagan, Tiden Utan Tid

Sonntag, 11. April 2010

Dark Tranquillity - We Are The Void (2010)


Mit Dauerwelle und Altbewärtem

DARK TRANQUILLITY aus Götheburg haben schon so einige Platten veröffentlicht und auch schon so einige Soundexperimente auf dem Buckel! In der Zeit als Bands wie AT THE GATES, CEREMONIAL OATH und IN FLAMES noch in den Kinderschuhen steckten und in den Götheborger Vororten probten, fanden ebenfalls ein paar junge Schweden unter dem Bandnamen SEPTIC BROILER zusammen! Ein paar Jahre sollten bis zur Veröffentlichung des Debüts Skydancer (1993) unter dem neuen Bandnamen DARK TRANQUILLITY noch ins Land ziehen. Doch schon hier wurde die Richtung eindeutig angegeben. Death Metal mit dem Tempo des Thrash Metals und einem Schuss Meldodie. Der sogenannten Götheborg Melodic Death Metal war geboren, auch wenn die Band selber noch nie wirklich warm mit diesem Begriff geworden ist.

Schon das zweite Album „The Gallery“ (1995) gilt heute als sehr einflussreiches Album des Melodic Death und bestach schon durch sehr frische Ideen und ausgefallenes Songwriting. Spätestens mit der Veröffentlichung des Albums Projector (1999) gab die Band eine neue Richtung an. Ihr Sound wandelte sich gehörig und führte zu dem Einsatz von clean Gesang sowie Keyboard. In den folgenden Jahren wurden wurden weiterhin hochwertige Alben veröffentlicht. Inzwischen hat sich ihr Stil ein wenig eingependelt. Eine gesunde Mischung aus den alten, aggressiveren Songs und der Melancholie der neueren Songs wurde gefunden. Keyboard ist ein festes Bestandteil ihrer Musik geworden.

Anfang 2010 war es denn soweit und das neunte Album erschien, wie die letzten Veröffentlichungen auch unter dem Banner von Century Media.

Der erste Track „Shadow In Our Blood“ wurde bereits von einigen Wochen vor Release bei Myspace veröffentlicht. Ich brauchte ein wenig um mit dem Song warm zu werden. Die ungewöhnlichen Keyboard Klänge, die schon fast eine düstere Stimmung erzeugen, überraschten mich doch ein wenig. Das flotte Verse Riffing hingegen kennt man von der Band ja bereits zuhauf. Nach reichhaltigem hören gefällt mir der Song jedoch richtig gut und lässt die Platte schon recht früh glänzen. Weiter geht es mit „Dream Oblivion“! Auch der Track war schon zuvor durch das Internet bekannt. Er fährt in einem ähnlichen Fahrwasser wie der Opener und fällt ebenfalls durch die, für DARK TRANQUILLITY, ungewöhnlichen Syntie Klänge auf. Er weiss jedoch vorallem durch den einprägsamen Refrain zu gefallen.

Nach einem kurzen Intro brettert „The Fatalist“ anschliessend mit sehr typischen Melodic Death Riffing weiter. Auch der Song besitzt einen sehr, fast schon zu, eingängigen Chorus. Ohne große Umschweife folgt der Song „In My Absence“, der auch recht Genretypisch vor sich hin plätschert. Flotter Verse, anschliessend Keyboard Refrain. Wäre dies von der Band nicht schon auf etlichen Alben gnadenlos durchgekaut worden, könnten solche Parts noch überraschen. „The Grandest Accusation“ ist im Mid Tempo Bereich anzusiedeln. Die Klänge gehen eindeutig in die melancholichen Zeiten der Band zurück. Dies wird auch dadurch unterstrichen, dass Mikael Stanne von seiner tatsächlichen Gesangsstimme gebrauch macht, die z.B. auf „Projector“ (1999) häufig und auf den folgenden Alben eher selten zu hören ist. Mit „Her Silent Language“ wird der Bogen noch einen Tick weiter gespannt und der Song kommt fast schon im Gewand einer Ballade daher. Dennoch weiss er durch die außergewöhnliche Stimme von Herrn Stanne zu gefallen. Mir gefällt zwar die aggresivere Seite der Band besser, aber ich habe sowieso keine zweite „Charakter“ (2004) erwartet, denn diese Platte war bisher mit Abstand ihre aggressivste.

Überraschend ist durchaus der nächste Zungenbrecher Song namens „Arkhangelsk“! Alles fängt realtiv gediegen an, doch schon im Verse wirkt die Stimmung um einiges unheilvoller und der Gesang wütender. Spätestens im fast schon orchestralen Refrain, fühlt man sich im gewissen Sinne schwarz metallische Bands wie etwa DIMMU BORGIR erinnert. Ich möchte nun nicht behaupten, dass Mikael und seine Mannen wie eben genannte klingen, aber düstere Stimmung, fieses Gekeife, unheilsverkündende Orchester Einlagen .. dies ist wahrlich untypisch für DARK TRANQUILLITY. „I Am The Void“ ballert wiederum aus allem Rohren und präsentiert sich als gehörig thrashige Götheburg Perle! Mein absolutes Highlight des Albums! Es wird kein Blumentopf für innovative Ideen gewonnen, aber das Main Riff klingt sehr frisch und untypisch für die Band. Unspektakulär ziehen auch die beiden verbleibenden Songs an einem vorbei. Den Abschluss bildet das sehr ruhig beginnende und endende „Iridium“.

Nach der stolzen Laufzeit von 47 Minuten bleibt Ernüchterung zurück. Mir bedeutet die Band sehr viel und ich behaupte, dass sie nicht im Stande ist, ein schlechtes Album zu veröffentlichen, aber wirklich vom Hocker haut mich „We Are The Void“ keinesfalls. In manchen Songs wie etwa „I Am The Void“ oder in den beiden ersten Songs, wird eindeutig mit untypischen Melodien und Einflüssen herumexperimentiert, aber dafür wird sich in etlichen Songs auf altbewärtes verlassen, was ich bei all der Übersättigung des Marktes reichlich langweilig finde. Ich sehe es jedoch durchaus als positiv an, dass bei DARK TRANQUILLITY alles andere als Stillstand festzustellen ist, aber ich erhoffe mir dennoch auf dem nächsten Werk eine andere Entwicklung.

Die Vocals sind auch entgegen der Vorgängeralben sehr höhenlastig. Growls sucht man so gut wie vergebens und das, obwohl die Growls von Mikael Stanne so klasse klingen können. Schade schade, auch hier erhoffe ich mir mehr auf dem nächsten Album. Die Produktion ist wiederum tadellos. Der Recording Prozess fand teils im Studio des Keyboarders Martin Brändström statt. Für den Mix zeichnet sich Tue Madsen veranwortlich, der sich den Songs in seinem Antfarm Studio annahm.

Fazit: Nach einer handvoll super Alben eine kleine Entäuschung, die jedoch durchaus ein paar Perlen zu bieten hat. Ich stecke große Hoffnung in den Nachfolger! 6,5/10 kleine Schweden!

Anspieltipps: I Am The Void, Dream Oblivion, Shadow In Our Blood

Hypocrisy - A Taste Of Extreme Divinity (2009)


Peters Rückkehr!

Endlich!! Nach 4 Jahren völliger Absenz, meldet sich ein Urgestein des schwedischen Death Metals zurück!! Sympathieträger Peter Tägtgren, der sich in den letzten Jahren eher auf sein jodelndes Indudstrial Pop Projekt PAIN oder auf das produzieren von grantigen Metal Alben konzentriert hat, spendiert uns nun endlich sein sage und schreibe elftes (11tes !!!) Studioalbum! Mit im Gepäck befindet sich, wie immer, Peters ständiger Weggefährte Mikael Hedlund am Tieftöner. Horgh, der ja durch die kernigen Norweger IMMORTAL allseits bekannt und beliebt ist, sitzt zum Glück immer noch an den Drums. Als er 2004 seit Debüt bei HYPOCRISY feierte, merkte man dies eindeutig durch das wesentlich interessantere Schlagzeugspiel.


Wer sich ein wenig mit der Band beschäftigt hat, der weiss, das kein Album dem anderen gleicht. Da wären ersteinmal die oldschool Deathmetal Scheiben der Anfangstage ab 1992. Danach folgten ein paar Ausflüge in den waschechten schwedischen Melodic Death Metal. Nicht so ein modernes clean Geplärre, nein nein sondern ein Melodic Death, wie er Mitte der 90ger gespielt wurde. Anschliessend wurde sich in Experimente verirrt oder ein neuer Sound ausprobiert, wie etwa auf dem Album „Into The Abyss“ (2000). Erst 2005 beglückte uns Peter mit dem Album „Virus“, welches einen äußerst aggresiven Querschnitt des bisherigen Bandschaffens darstellte. Diese Band hat bereits soviele verschiedene Sounds und Einflüsse auf den Alben ausprobiert, dass war es für mich umso spannender, was mich nun auf dem neuesten Werk „A Taste Of Extreme Divinity“ erwartet.

Schon beim Opener fällt auf: Holla, das ist echt flott für HYPOCRISY! „Valley Of The Damned“ beginnt sehr treibend und Peter röhrt durchweg mit seinen allseits beliebten Growls durch den Song. Es ufert in einem sehr melodischen und typischen Hypo Refrain. Nur in einem sehr bangbaren Bridge Part, wird der Fuß vom Gas genommen. Nach dem schnellen Einstieg dringt auch schon die erste Singleauskopplung an mein Ohr. Via Myspace konnte man die Hymne „Hang Him High“ schon vorab hören und schon dort wusste sie zu gefallen. Größtenteils im Mid Tempo Bereich angesiedelt, handelt es sich um einen sehr typischen HYPOCRISY Song. Eingängiger Mitgröhl-Refrain, walzender Verse und sphärischer Mittelteil. Peter zeigt uns ein paar mehr Facetten seines Organs, aber Gott sei Dank werden wir mit clean Gesang verschont.

Es bleibt bei mittigem Tempo! „Solar Empire“ ist ein ähnliches Kaliber wie „Hang Him High“. Diesselben Zutaten, garniert mit weniger aggresiven Riffs und statt dominierenden Growls Peters Schreigesang. Nun Song 4 mit dem Namen „Weed Out The Weak“! Oha der Song beginnt gleich mit einem Blastbeat?! HYPOCRISY und Blastbeats? Ja Horgh macht es möglich! Astreines Geballer, mit einem sehr schwedisch angehauchten Verse sowie einem melodisch epischen Chorus. Wenn der etwas bremsende Solo Part nicht wäre, ein noch größerer Knaller, aber dennoch bleibt dieses Liedlichen eines der frühen Highlights der Platte! Etwas gemäßigter geht es in den beiden folgenden Songs zu. Walzende und groovyge Riffs wechseln sich mit melodischen Ergüssen ab.

Im Gegensatz zu diesen, stellt der Beinahe-Titeltrack eine ordentliche Überraschung dar. Beginnt „Taste The Extreme Divinity“ schon recht düster aber gediegen, gipfelt es nach knapp 40 Sekunden in den brachialsten und aggresivsten Song des Albums. Seit Jahrzehnten hat man HYPOCRISY nicht mehr so, verhältsnimäßig unmelodisch, rumknüppeln hören. Anschliessend wird es mit „Alive“ wieder ruhiger und äußerst groovyg. Große Überraschungen bleiben aus und es folgt die reichlich schleppende und fast schon kitschige Hymne „The Quest“. Erinnerte mich an das Selbstbetitelte Album von 1999. Für mich jedoch ein unnötiger Ausflug in alte Tage. Track 10 alias „Tamed (Filled With Fear)“ drückt zum Glück wieder ein wenig mehr auf die Tube. Der Höhepunkt ist hier eindeutig der einprägsame Chorus. Vereinzelt wird ein wenig clean Gesang verwendet, wenn man diesen denn so nennen möchte.


Zum Schluss der Platte, wird nochmal ein wenig mehr Gas gegeben. „Sky Is Falling Down“ ist ein wunderbarer Abschluss, in dem sich Onkel Tägtgren nochmal so richtig am Mikro austobt. Der unnötige Bonustrack plätschert dagegen nur so vor sich hin und bleibt bei aller Liebe nicht im geringsten in den Hörgängen verankert.

Nach stolzen 50 Minuten Spielzeit ist der Spaß vorbei. Nun was bleibt für ein Eindruck zurück? Im Grunde ein recht positiver. Die Band war niemals für besonders schnelle Songs bekannt, meist bestachen eher die hymnischen und schleppenden Lieder. Umso erfreulicher, dass der Weg, den das Vorgängeralbum geebnet hat, konsiquent weitergeführt wird. Sprich es ist, ebenso wie „Virus“, ein astreiner Querschnitt des Bandschaffens. Treibende Songs mit teils aggressiven Ausbrüchen, reichen sich mit Mid Tempo Hymnen die Hand. Im Grunde das alte Lied? Jein! Das geradlinige und eingängige Songwriting schliesst jedoch große Experimente aus. Dennoch schafft es Peter, durch viele kleine Variationen, sowie interessanten Ideen, die Songs spannend zu gestalten.

Auch sein Gesang kommt sehr gut zur Geltung. Seien es nun seine durchaus verständlichen aber bitterbösen Growls, die wir von Peter in der Qualität schon bei den All-Star Schweden BLOODBATH bewundern durften, oder seine markanten Schreie. Peter schafft sie einfach alle! Eine große Frage, die sich mir stellte: Auha, wie sieht denn das mit clean Gesang aus? Die Band hat ja bekanntlich noch nie Heul-Refrains ihr Eigen genannt, aber dennoch haben sich in den letzten Jahren immer ein paar, an PAIN erinnernde, clean Parts eingeschlichen. Diese sind auf dem Album nur sehr selten vertreten. Sie stören nicht und passend durchaus in die jeweiligen Parts. Da bin ich nun nicht so der Fan von, aber was soll man machen. Groß stören tun diese Laute zum Glück auch nicht.

Horghs Drumming ist im Gegensatz zum Vorgängeralbum dezenter, aber zum Glück meilenweit davon entfernt, so uninspiriert und langweilig zu sein, wie das Gehämmer, welches auf den Platten zwischen 1992 und 2004 zu hören war. Da saß nämlich noch ein gewisser Lars Szoke hinter der Schiessbude und dieser Bursche hat mir wirklich eine Vielzahl von Hypo Songs vermiest.

Ein weiteres mal ist auch dieses Werk der Band in Peter Tägtgrens Abyss Studio enstanden. Der Sound seiner Schmiede ist bekanntlich Geschmackssache. Ich für meinen Teil halte ihn für gelungen und äußerst passend für die Songs. Wie man es von Peterle kennt, handelt es sich um einen klinischen, klaren und wenig aggresiven Sound. Das Artwork zeigt nach Jahren endlich mal kein Photo Shop Alien Alarm, sondern greift tief in die Klischee Kiste und spendiert uns eine Kapuze, die Menschen auf einem Altar opfert auau. Nicht innovativ, aber passend und allemal schicker, als die Alien Geschichten. Wo sind nur all die schick gezeichneten oldschool Death Metal Cover hin.


Eingesessenen Death Metal Fans waren die Alben nach „The Fourth Dimension“ (1994) bestimmt sowieso schon zu melodisch, darum werden Jungs und Mädels mit solchen Hörgewohnheiten auch bei dieser Veröffentlichung mit Sicherheit nicht glücklich. Wer jedoch auch der melodischeren Variante des Schwedentods nicht abgeneigt ist, dem sei auch diese Veröffentlichtung von HYPOCRISY wärmtens ans Herz gelegt.

Fazit: Eine weitere solide Veröffentlichung, die vergangene Stärken der Band vereint, jedoch auch Wehrmutstropfen in Form von Fillern enthält. Dennoch Daumen hoch und 8 von 10 kleine Pederles!

Anspieltipps: Valley Of The Damned, Hang Him High, Weed Out The Weak, Sky Is Falling Down