Mit Dauerwelle und Altbewärtem DARK TRANQUILLITY aus Götheburg haben schon so einige Platten veröffentlicht und auch schon so einige Soundexperimente auf dem Buckel! In der Zeit als Bands wie AT THE GATES, CEREMONIAL OATH und IN FLAMES noch in den Kinderschuhen steckten und in den Götheborger Vororten probten, fanden ebenfalls ein paar junge Schweden unter dem Bandnamen SEPTIC BROILER zusammen! Ein paar Jahre sollten bis zur Veröffentlichung des Debüts Skydancer (1993) unter dem neuen Bandnamen DARK TRANQUILLITY noch ins Land ziehen. Doch schon hier wurde die Richtung eindeutig angegeben. Death Metal mit dem Tempo des Thrash Metals und einem Schuss Meldodie. Der sogenannten Götheborg Melodic Death Metal war geboren, auch wenn die Band selber noch nie wirklich warm mit diesem Begriff geworden ist.
Schon das zweite Album „The Gallery“ (1995) gilt heute als sehr einflussreiches Album des Melodic Death und bestach schon durch sehr frische Ideen und ausgefallenes Songwriting. Spätestens mit der Veröffentlichung des Albums Projector (1999) gab die Band eine neue Richtung an. Ihr Sound wandelte sich gehörig und führte zu dem Einsatz von clean Gesang sowie Keyboard. In den folgenden Jahren wurden wurden weiterhin hochwertige Alben veröffentlicht. Inzwischen hat sich ihr Stil ein wenig eingependelt. Eine gesunde Mischung aus den alten, aggressiveren Songs und der Melancholie der neueren Songs wurde gefunden. Keyboard ist ein festes Bestandteil ihrer Musik geworden.
Anfang 2010 war es denn soweit und das neunte Album erschien, wie die letzten Veröffentlichungen auch unter dem Banner von Century Media.
Der erste Track „Shadow In Our Blood“ wurde bereits von einigen Wochen vor Release bei Myspace veröffentlicht. Ich brauchte ein wenig um mit dem Song warm zu werden. Die ungewöhnlichen Keyboard Klänge, die schon fast eine düstere Stimmung erzeugen, überraschten mich doch ein wenig. Das flotte Verse Riffing hingegen kennt man von der Band ja bereits zuhauf. Nach reichhaltigem hören gefällt mir der Song jedoch richtig gut und lässt die Platte schon recht früh glänzen. Weiter geht es mit „Dream Oblivion“! Auch der Track war schon zuvor durch das Internet bekannt. Er fährt in einem ähnlichen Fahrwasser wie der Opener und fällt ebenfalls durch die, für DARK TRANQUILLITY, ungewöhnlichen Syntie Klänge auf. Er weiss jedoch vorallem durch den einprägsamen Refrain zu gefallen.
Nach einem kurzen Intro brettert „The Fatalist“ anschliessend mit sehr typischen Melodic Death Riffing weiter. Auch der Song besitzt einen sehr, fast schon zu, eingängigen Chorus. Ohne große Umschweife folgt der Song „In My Absence“, der auch recht Genretypisch vor sich hin plätschert. Flotter Verse, anschliessend Keyboard Refrain. Wäre dies von der Band nicht schon auf etlichen Alben gnadenlos durchgekaut worden, könnten solche Parts noch überraschen. „The Grandest Accusation“ ist im Mid Tempo Bereich anzusiedeln. Die Klänge gehen eindeutig in die melancholichen Zeiten der Band zurück. Dies wird auch dadurch unterstrichen, dass Mikael Stanne von seiner tatsächlichen Gesangsstimme gebrauch macht, die z.B. auf „Projector“ (1999) häufig und auf den folgenden Alben eher selten zu hören ist. Mit „Her Silent Language“ wird der Bogen noch einen Tick weiter gespannt und der Song kommt fast schon im Gewand einer Ballade daher. Dennoch weiss er durch die außergewöhnliche Stimme von Herrn Stanne zu gefallen. Mir gefällt zwar die aggresivere Seite der Band besser, aber ich habe sowieso keine zweite „Charakter“ (2004) erwartet, denn diese Platte war bisher mit Abstand ihre aggressivste.
Überraschend ist durchaus der nächste Zungenbrecher Song namens „Arkhangelsk“! Alles fängt realtiv gediegen an, doch schon im Verse wirkt die Stimmung um einiges unheilvoller und der Gesang wütender. Spätestens im fast schon orchestralen Refrain, fühlt man sich im gewissen Sinne schwarz metallische Bands wie etwa DIMMU BORGIR erinnert. Ich möchte nun nicht behaupten, dass Mikael und seine Mannen wie eben genannte klingen, aber düstere Stimmung, fieses Gekeife, unheilsverkündende Orchester Einlagen .. dies ist wahrlich untypisch für DARK TRANQUILLITY. „I Am The Void“ ballert wiederum aus allem Rohren und präsentiert sich als gehörig thrashige Götheburg Perle! Mein absolutes Highlight des Albums! Es wird kein Blumentopf für innovative Ideen gewonnen, aber das Main Riff klingt sehr frisch und untypisch für die Band. Unspektakulär ziehen auch die beiden verbleibenden Songs an einem vorbei. Den Abschluss bildet das sehr ruhig beginnende und endende „Iridium“.

Nach der stolzen Laufzeit von 47 Minuten bleibt Ernüchterung zurück. Mir bedeutet die Band sehr viel und ich behaupte, dass sie nicht im Stande ist, ein schlechtes Album zu veröffentlichen, aber wirklich vom Hocker haut mich „We Are The Void“ keinesfalls. In manchen Songs wie etwa „I Am The Void“ oder in den beiden ersten Songs, wird eindeutig mit untypischen Melodien und Einflüssen herumexperimentiert, aber dafür wird sich in etlichen Songs auf altbewärtes verlassen, was ich bei all der Übersättigung des Marktes reichlich langweilig finde. Ich sehe es jedoch durchaus als positiv an, dass bei DARK TRANQUILLITY alles andere als Stillstand festzustellen ist, aber ich erhoffe mir dennoch auf dem nächsten Werk eine andere Entwicklung.
Die Vocals sind auch entgegen der Vorgängeralben sehr höhenlastig. Growls sucht man so gut wie vergebens und das, obwohl die Growls von Mikael Stanne so klasse klingen können. Schade schade, auch hier erhoffe ich mir mehr auf dem nächsten Album. Die Produktion ist wiederum tadellos. Der Recording Prozess fand teils im Studio des Keyboarders Martin Brändström statt. Für den Mix zeichnet sich Tue Madsen veranwortlich, der sich den Songs in seinem Antfarm Studio annahm.
Fazit: Nach einer handvoll super Alben eine kleine Entäuschung, die jedoch durchaus ein paar Perlen zu bieten hat. Ich stecke große Hoffnung in den Nachfolger! 6,5/10 kleine Schweden!
Anspieltipps: I Am The Void, Dream Oblivion, Shadow In Our Blood